News > Psychische Notlage: Dringender Appell an die Regierung

am 6.4.2022
Führende Persönlichkeiten aus Psy-Berufen fordern Ende der Kassenpsychotherapieplatz-Kontingentierung

Wien (OTS) - Es braucht freien Zugang zu Kassenpsychotherapie für alle – und zwar JETZT!
Die Mehrfachbelastung durch Pandemie und Krieg wird den ohnehin bereits enormen Bedarf an psychotherapeutischen Behandlungen langfristig noch weiter in die Höhe treiben, es muss dringend gehandelt werden – und zwar jetzt! Dieser eindringliche Appell an die Regierung kommt von Prof. Dr. Peter Stippl, Präsident des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP), Mag.a Barbara Haid, MSc, Präsidiumsmitglied des ÖBVP, Assoc. Prof. Primar Dr. Friedrich Riffer, ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Eggenburg und Primaria Univ. Prof. Dr.in Kathrin Sevecke, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (ÖGKJ).

Warten oder selbst zahlen

Derzeit sind krankenkassenfinanzierte Plätze für Psychotherapie kontingentiert: Der ÖBVP geht davon aus, dass es für gerade einmal 1,23 Prozent der Bevölkerung Psychotherapie auf Krankenschein gibt. Der Rest muss entweder lange Wartezeiten in Kauf nehmen oder in die eigene Tasche greifen. Mag.a Barbara Haid, MSc, Präsidiumsmitglied des ÖBVP: „Diese Kontingentierung ist für uns gerade in Zeiten von Pandemie und Krieg nicht mehr nachvollziehbar. Es ist so als würde man einen Menschen mit gebrochenem Bein unbehandelt nach Hause schicken, da das Behandlungskontingent für dieses Jahr erschöpft ist. So wird das bei Menschen mit psychischen Leidenszuständen und Krankheiten gemacht.“

200 Millionen für spürbare Verbesserung

Für die Neugestaltung der kassenfinanzierten psychotherapeutischen Versorgungslandschaft in Österreich braucht es nach Schätzungen der Experten etwa 200 Millionen Euro sowie verbesserte Rahmenbedingungen für die bereits praktizierenden Psychotherapeut:innen. Diese können den Bedarf umgehend abdecken. Prof. Dr. Peter Stippl, Präsident des ÖBVP, erläutert: „Wenn wir jetzt in Psychotherapie investieren, ist nicht nur den Betroffenen und deren Angehörigen geholfen, es lassen sich in Zukunft auch lange Ausfälle durch Krankenstände und Frühpensionierungen verhindern. Bereits mit einem Versorgungsgrad von 2,5% könnte das erreicht werden, was auch internationale Studien sowie die Praxis in unserem Nachbarland Deutschland, in dem diese 2,5% bereits umgesetzt werden, bestätigen.“

Frauen sind besonders betroffen

Geringverdiener:innen und Frauen trifft die derzeitige Regelung besonders hart, sagt Assoc. Prof. Primar Dr. Friedrich Riffer: „Aktuelle Studien der Universitätsklinik Eggenburg (Riffer et al. 2022, 2021, 2018) zeigen, dass nur jeder zweite von 6000 stationären Patient:innen der letzten Jahre die notwendige kassenfinanzierte ambulante Psychotherapie erhält. Ein Drittel davon verfügt über ein Einkommen von weniger als 1.000€ pro Monat, Frauen sind besonders betroffen. Das ist dramatisch, schafft Leid, und Chronifizierung mit hohen Folgekosten. Der Rechnungshof empfiehlt in seinem Bericht aus 2019 einen Gesamtvertrag. Daher unser Appell an die Regierung zu handeln.“

Kinder- und Jugendpsychiatrien sind überfüllt

Eine Aufstockung der stationären Betten sowie intensive psychiatrische und psychotherapeutische Behandlungsangebote sind unabdingbar, denn die Kinder- und Jugendpsychiatrien sind übervoll, sagt Primaria Univ. Prof. Dr.in Kathrin Sevecke, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie: „Für ein gutes Nahtstellenmanagement braucht es aber auch dringend im niedergelassenen Bereich die kassenfinanzierten Psychotherapieplätze mit flexiblen Einheiten, je nach Bedarf einmal bis mehrfach pro Woche. Zusätzliche niederschwellige, präventive psychotherapeutische Angebote im Vorfeld, wie beispielsweise fit4SCHOOL, könnten einige stationäre Aufnahmen zudem verhindern.“

Nach 30 Jahren Wartezeit darauf benötigen die Menschen jetzt mehr denn je den freien Zugang zur kassenfinanzierten Psychotherapie. Der freie Zugang zur Behandlung darf nicht länger körperlichen Erkrankungen vorbehalten bleiben.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Peter Stippl, Präsident des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP)
Mag.a Barbara Haid, MSc, Präsidiumsmitglied des ÖBVP
Primaria Univ. Prof. Dr.in Kathrin Sevecke, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (ÖGKJ)
Assoc. Prof. Primar Dr. Friedrich Riffer, ärztlicher Direktor der Universitätsklinik Eggenburg

Rückfragen & Kontakt:

Mag.ª Romina Erdem
Öffentlichkeitsarbeit
Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Löwengasse 3/3/4 :: A-1030 Wien
T +43.1.512 70 90.23 :: M +43.676.385 53 75
E oebvp.erdem@psychotherapie.at :: www.psychotherapie.at

Mag. Barbara Haid, MSc
Präsidiumsmitglied
Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Löwengasse 3/3/4 :: A-1030 Wien
M +43.650.884 08 86
E haid@transformberatung.com :: www.psychotherapie.at

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Quelle: OTS0048, 5. April 2022, 10:00


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