Verwirrung der Psychoberufe

Hofbauer Stefan am 2.4.2020
Do 2 Apr In der aktuellen Corona-Krisensituation treten im Fernsehen und im Internet viele ExpertInnen auf. Nicht immer ist so klar, warum sie als ExpertInnen gehandelt werden und welchen Beruf sie eigentlich ausüben. Ich möchte im Folgenden daher vier Berufsgruppen erläutern, die relativ unterschiedliche Ausbildungs- und Kompetenzprofile haben und dennoch von Medienleuten und Laien oft in einen Topf geworfen werden. Ich gehe in diesem kurzen Artikel näher auf vier Berufe ein, den der PsychologInnen, der PsychotherapeutInnen, der PsychiaterInnen und der Psychologischen BeraterInnen.

Die ersten drei Berufsgruppen sind einander ähnlich, da sie alle Menschen mit psychischen Erkrankungen behandeln. Die Unterschiede liegen in den Ausbildungen und in den Problembereichen, die sie behandeln. Die letzte Gruppe der Psychologischen BeraterInnen oder auch Diplomierten Psychologischen BeraterInnen darf jedoch keine kranken Menschen behandeln!

Psychologe/in

PsychologInnen haben ein Psychologiestudium an der Universität absolviert und mindestens einen Magister-/Master-Grad erworben. PsychologInnen setzen sich vor allem wissenschaftlich mit dem Menschen auseinander, führen Diagnostik durch, arbeiten in Krankenhäusern und beraten Menschen. PsychologInnen können sich in vielfältigen Bereichen spezialisieren, etwa als Klinische PsychologInnen, GesundheitspsychologInnen, NeuropsychologInnen, SportpsychologInnen, WirtschaftspsychologInnen, SchulpsychologInnen, etc.

Für KlientInnen ist wichtig zu wissen, dass die psychologische Diagnostik von Klinischen PsychologInnen eine Kassenleistung ist, nicht aber die psychologische Beratung und Behandlung.

Psychiater/in

PsychiaterInnen oder FachärztInnen für Psychiatrie und Neurologie haben Medizin studiert und eine Facharztausbildung absolviert. Als ÄrztInnen sind Sie auf die Diagnostik und Behandlung von psychischen Störungen und Krankheiten spezialisiert. Sie können bei Bedarf Medikamente verschreiben. Ganz grob kann gesagt werden, dass Menschen mit gravierenden psychischen Problemen (Schizophrenie, manisch-depressive Erkrankung, schwere Depression…) eine/n Psychiater/in benötigen.

PsychiaterInnen arbeiten im Krankenhaus oder in freier Praxis. Die Finanzierung läuft, wie bei anderen ÄrztInnen auch, über Kassenvertrag oder Wahlarztsystem.

Psychotherapeut/in

Psychotherapie ist ein eigenständiges Heilverfahren im Gesundheitsbereich für die Behandlung von psychischen, psychosozialen und psychosomatisch bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszuständen.

In Österreich ist der Beruf der PsychotherapeutInnen eine sekundäre Ausbildung, die einen sogenannten Quellberuf erfordert. Die Psychotherapieausbildung können unter anderem PsychologInnen, ÄrztInnen, PädagogInnen, TheologInnen, SozialarbeiterInnen und DiplomkrankenpflegerInnen absolvieren.

PsychotherapeutInnen sollten Menschen aufsuchen, deren Probleme länger bestehen und die ernsthaft an Veränderungen interessiert sind. Für KlientInnen ist wichtig zu wissen, dass Psychotherapie, bei Vorliegen einer krankheitswertigen Diagnose laut ICD 10, von der Krankenkasse teilrefundiert werden kann. Es gibt auch ein beschränktes Kontingent an voll finanzierten Psychotherapie-Plätzen. Hier bestehen für jedes Bundesland unterschiedliche Regelungen.

Diplomierte Psychologische BeraterInnen

Als Diplomierte Psychologische BeraterInnen bezeichnet man Menschen, die eine Lebens- und SozialberaterInnen-Ausbildung absolviert haben. Diese Ausbildung dauert meist zwei Jahre. Inzwischen sind aber auch länger dauernde Ausbildungen mit Master-Abschluss möglich. Lebens- und SozialberaterInnen oder Psychologische BeraterInnen dürfen nur mit gesunden Menschen arbeiten, die im Alltag mit belastenden Situationen konfrontiert sind, solange noch keine krankheitswertige Störung vorliegt. Die Behandlung von psychisch oder körperlich kranken Menschen ist jedenfalls ÄrztInnen, Klinischen PsychologInnen und PsychotherapeutInnen vorbehalten! Weshalb es natürlich auch keine Kassenfinanzierung für eine Beratung bei Lebens- und SozialberaterInnen geben kann.

www.gestalttherapeut.com
Lebens- und Sozialberatung Psychiatrie Psycho-Berufe Psychologie Psychotherapie
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