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So 10 Mai Veränderung geschieht dann, wenn jemand wird, was er ist und nicht dann, wenn er versucht zu werden, was er nicht ist. (Arnold Beisser) Was befürchten Menschen eigentlich, bevor sie eine Psychotherapie beginnen? Was hält sie davon ab, kompetente Hilfe zu suchen und veranlasst sie, stattdessen lieber still weiter zu leiden? Angeblich dauert es nach wie vor durchschnittlich drei bis fünf Jahre von dem Zeitpunkt, an dem ein Mensch das erste Mal die Idee hat, dass Psychotherapie zur Bewältigung seiner Probleme beitragen könnte, bis zur tatsächlichen Vereinbarung eines Erstgesprächs. Wenn das zutrifft, muss die Angst vor Psychotherapie offenbar nach wie vor sehr groß sein. Was mit "Psycho-" beginnt, erzeugt offenbar Verunsicherung und Angst, vor allem auch, weil der Durchschnittsbürger wohl nicht so viel über Psychologen*), Psychotherapeuten und Psychiater weiß. Diese drei Berufsgruppen arbeiten zwar häufig zusammen, haben aber dennoch sehr unterschiedliche Ausbildungen und Aufgaben (zur Unterscheidung dieser drei Berufsgruppen siehe: Psychotherapeut - Psychiater - Psychologe). Oft fällt im Bekanntenkreis schon einmal die Bemerkung: "Such dir einen Psychologen!", wenn jemand Konflikte oder Probleme hat, mit denen er nicht mehr selbst fertig wird. Bisweilen mag eine solche Aussage auch nur den Zweck haben, jemand anderen zu verletzen. Was die Angst vor diesen Berufen nicht gerade kleiner machen dürfte. Aus meiner eigenen Praxis und aus der Recherche in diversen Internetforen habe ich vor allem folgende Ängste eruieren können, die Menschen beschäftigen, bevor sie sich tatsächlich an einen Psychotherapeuten wenden: Angst, die Kontrolle zu verlieren Angst, komplett durchschaut zu werden Angst, dass in der Therapie Dinge ans Licht kommen, die dem Betreffenden noch mehr Probleme verursachen Sorge bezüglich der Kosten Angst als dumm dazustehen, weil der Therapeut (vermeintlich!) alles kann und der Klient nichts gesellschaftliche ...
Angst vor Psychotherapie Psychotherapie Psychotherapie Vorurteile Selbstverantwortung   Permalink

So 12 Apr Je unsicherer das Selbst, desto gigantischer seine Investitionen in Sicherheit. (Andreas Tenzer) Geschieht heute irgendein Unglück, sei es eine Naturkatastrophe, ein tragischer Unfall, ein Terroranschlag oder ein zum Massenmord erweiterter Suizid, können wir regelmäßig beobachten, dass sofort alle möglichen Experten und Medienleute nach noch mehr Sicherheitsmaßnahmen rufen. Kinder lernen heute ganz selbstverständlich mit Helm und Knieschützern und spezieller Kleidung Rad zu fahren. Noch vor einer Generation gab es diese Sicherheitsvorkehrungen nicht. Wenn Jugendliche heute Alkohol trinken, wird das schnell als „Komasaufen“ bezeichnet und nach noch mehr Gesetzen gerufen. Die Genderung der Sprache, die Mülltrennung, die Ernährung – das alles wollen viele heute gesetzlich regeln. Und manchmal frage ich mich, wo da die Menschlichkeit und das miteinander Reden bleiben. Der Zeitgeist und die Mode sind flüchtig. Für einen denkenden, selbstverantwortlichen Menschen lohnt es sich, ab und zu zu hinterfragen, was jetzt angeblich modern ist. Momentan sind wir kollektiv zu Sicherheitsfanatikern geworden. Wir wollen uns gerne gegen alles und jedes absichern, wir streben nach Perfektion und Unverwundbarkeit. Vielleicht deshalb, weil wir in unsicheren und verunsichernden Zeiten leben. Dieser Wahn ist aber unmenschlich, unnatürlich und vor allem unlebendig (vgl. Artikel „Die Sicherheits-Illusion“). Das übermäßige Streben nach Sicherheit und Perfektion ist immer ein Anzeichen für eine Neurose. Der gesunde Mensch lässt sich auf das Leben mit all seinen Unwägbarkeiten und Unsicherheiten ein und er kann gelassen davon ausgehen, dass er mit vielen Schwierigkeiten fertig werden wird, weil ihm das auch in der Vergangenheit gelungen ist. Werbung und Medien möchten uns gerne glauben machen, der moderne Mensch unserer Zeit sei groß, schlank, sonnengebräunt, beruflich erfolgreich, wohlhabend, wohlriechend, ständig lächelnd und 24 Stunden am Tag glücklich, ...
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Mi 17 Sep "Es war einmal…" Das ist der Satz mit dem viele Märchen beginnen und genauso märchenhaft, phantastisch und weit weg mutet es an, wenn wir uns vergegenwärtigen, dass Psychotherapie in den 1960-er und 1970-er Jahren nicht primär deshalb aufgesucht wurde, weil eine Krankheit vorlag. Vielmehr wollten die Menschen sich entwickeln, wollten ihr volles Potenzial entfalten und quasi im Nebenher vorhandene Symptome beseitigen. Depressionen, Angststörungen und Zwänge waren sicherlich auch damals schon bekannt. Aber ein viel wichtigeres Ziel, um eine Psychotherapie aufzusuchen, war Selbstverwirklichung, ein Begriff, den nicht zuletzt Abraham Maslow prominent gemacht hat. Man versteht darunter die möglichst weitgehende Realisierung der eigenen Ziele, Wünsche und Sehnsüchte oder das umfassende Verwirklichen der eigenen Anlagen. In der Hierarchie der Bedürfnisse steht Selbstverwirklichung an der Spitze, nach körperlichen Grundbedürfnissen, Sicherheitsbedürfnissen sowie dem Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung. Auch C.G. Jung schrieb im Grunde schon von dieser Hierarchie, wenn er davon ausging, dass in der Psychotherapie zuerst neurotische Symptome durchgearbeitet werden müssten und dann erst der Individuationsprozess begänne, jener Prozess bei dem der Mensch am Ende erst der werde, der er ist. Krankenbehandlung Auch heute noch gibt es diese zwei Motive, um eine Psychotherapie zu beginnen. Einerseits die Linderung oder Beseitigung von Krankheitssymptomen und andererseits die Persönlichkeitsentwicklung, wie das auch dem Gesetzestext (Psychotherapiegesetz, §1) entspricht: "Die Ausübung der Psychotherapie im Sinne dieses Bundesgesetzes ist die nach einer allgemeinen und besonderen Ausbildung erlernte, umfassende, bewußte und geplante Behandlung von psychosozial oder auch psychosomatisch bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszuständen mit wissenschaftlich-psychotherapeutischen Methoden in einer Interaktion zwischen einem oder mehreren Behandelten ...
Emanzipation Krankenbehandlung Selbstverwirklichung Sinnfrage Zeitgeist   Permalink

Do 19 Jun Der höhere Mensch hat Seelenruhe und Gelassenheit, der gewöhnliche ist stets voller Unruhe und Aufregung. (Konfuzius) Offiziell ist Burnout weder im ICD 10 noch im DSM V (Diagnosemanuale für psychische und psychiatrische Störungen) eine Diagnose. Unter der Ziffer Z wird es im ICD 10 als "Faktor, der den Gesundheitszustand beeinflusst und zur Inanspruchnahme von Gesundheitsdiensten führt" genannt. Laut Medienberichten seien allein in Österreich 500.000 Menschen von diesem Syndrom betroffen sein (z.B.: Der Standard). Abgesehen davon, dass ich stark bezweifle, dass es sich im Einzelfall wirklich jedes Mal um das Zustandsbild eines Burnouts handelt, kann man sich fragen, wo diese Entwicklung Ihre Ursachen hat. Sehr viele Menschen, die als Burnout "diagnostiziert" werden, leiden vermutlich an komplexeren psychischen Problemen, wie etwa einer verschleppten Depression oder einem äußerst fragilen Selbstwertgefühl infolge einer frühen Störung. Die "Diagnose" Burnout ist in dieser Hinsicht sehr praktisch, weil sie für die Betroffenen weniger schambesetzt ist als eine psychiatrische Diagnose und obendrein noch sozial erwünschtes Verhalten suggeriert (Arbeiten bis zum Umfallen). Leistung und Arbeit gelten in unserer Gesellschaft bedeutend mehr als soziale Kontakte, ein erfülltes Leben, Freundschaft und Liebe. Als jemand, der am Land aufgewachsen ist, weiß ich, wie sehr Menschen gesellschaftlich verherrlicht werden, die in Folge Überarbeitung früh sterben. Menschen hingegen, die in erster Linie ihr Leben genießen, werden nur selten lobend erwähnt. Und doch ist es eine Tatsache, dass noch kein alter Mensch jemals bereut hat, zu wenig gearbeitet zu haben. Was im fortgeschrittenen Alter wirklich bereut wird, ist, zu wenig gelebt zu haben, zu wenig genossen zu haben, zu wenig Zeit mit Freunden verbracht zu haben (vgl. Artikel "Was Menschen im Angesicht des Todes bereuen"). Woher also kommt Burnout? Viele vermuten, dass dieses ...
Burnout Gestalttherapie Multitasking Technik   Permalink

So 26 Jän Sowohl Ärzte als auch Psychotherapeuten und Psychologen erleben immer häufiger, dass Patienten und Klienten*) bereits mit einer Diagnose in ihre Praxis kommen. Nicht selten entspringen diese Diagnosen, oder vielmehr Vermutungen bzw. Befürchtungen, einer ausführlichen Internet-Recherche und keiner fachlich fundierten Untersuchungen bei einem Experten. Derartige Selbstdiagnosen führen bei vielen Klienten zu großen Ängsten und bisweilen sogar zu Symptomen, die die Diagnose zu bestätigen scheinen. Wird dann nicht sehr rasch ein Experte, im Falle einer körperlichen Erkrankung ein Arzt und im Falle einer psychischen oder psychiatrischen Problematik ein Psychotherapeut oder Psychiater aufgesucht, verlängert das das Leiden vieler Menschen und kann unter Umständen sogar die Ausmaße einer ausgeprägten Hypochondrie (bisweilen auch Cyberchondrie genannt) erreichen. Der Betreffende steigert sich dann immer mehr in die Vorstellung krank zu sein hinein und beeinträchtigt damit psychoneuroimmunologisch tatsächlich sein Immunsystem und seinen Gesundheitszustand. Das ist Leid, das unnötig ist. Denn, was viele übersehen, ist die Logik von Suchmaschinen: das Ausgefallene, Neue und Ungewöhnliche landet weit vorne in den Ergebnissen, während das Gewöhnliche und Harmlose oft erst viele Seiten weiter hinten aufgeführt wird. Und selbstverständlich gibt es im Internet auch sehr große qualitative Unterschiede. Die Bandbreite reicht hier von expliziten Expertenseiten mit wissenschaftlichen Studien und topaktuellen Forschungsergebnissen bis hin zu schlecht moderierten Foren. Insbesondere letztere sind in der Lage, Ängste zu schüren oder überhaupt erst entstehen zu lassen. Die Funktionsweise von Suchmaschinen ist übrigens dem menschlichen Gehirn nicht ganz unähnlich. Auch unser Gehirn blendet Alltägliches, immer Wiederkehrendes rasch aus, während das Auffällige und Besondere von unserem Gehirn mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit registriert wird. Im Laufe der Jahre kamen einige Menschen mit den Diagnosen Sozialphobie, Burnout oder Borderline zu mir in die Praxis. ...
Cyberchondrie Diagnosen Dr. Google Hypochondrie Resilienz   Permalink


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