Obwohl die Begriffe im Alltag oft synonym verwendet werden, gibt es in Österreich klare gesetzliche und fachliche Unterschiede zwischen der Psychotherapie und der klinisch-psychologischen Behandlung (KliPsy).
1. Fokus und Zielsetzung
• Psychotherapie: Versteht sich als eigenständiges Heilverfahren. Sie taucht oft tiefer in die Persönlichkeitsstruktur und die Biografie ein, um die Ursachen von Leidenszuständen (psychisch, psychosozial oder psychosomatisch) langfristig zu bearbeiten.
• Klinisch-psychologische Behandlung: Basiert auf der wissenschaftlichen Psychologie. Der Fokus liegt hier meist stärker auf der aktuellen Symptomlinderung, konkreten Verhaltensänderungen und der Bewältigung akuter Probleme im Alltag.
2. Der Weg zum Beruf (Ausbildung)
• Psychotherapie: Psychotherapeut*innen haben ein psychotherapeutisches Propädeutikum (allgemeiner Teil der Ausbildung) und ein Fachspezifikum (eine von 23 anerkannten Methoden) absolviert. Mit 1.10.2026 treten die Regelungen betreffend „Akademisierung“ der Ausbildung in Kraft. Die Psychotherapieausbildung hat einen besonders hohen Anteil an Selbsterfahrung.
• Klinische Psychologie: Klinische Psycholog*innen haben ein akademisches Studium der Psychologie (Master/Diplom) abgeschlossen und eine postgraduale Ausbildung zur/zum Klinischen Psycholog*in absolviert.
3. Arbeitsweise und Methoden
Die Psychotherapie ist "schulengebunden". Das bedeutet, Therapeut*innen arbeiten nach einer bestimmten zertifizierten Methode (z. B. humanistische Methoden, psychoanalytische orientierte Methoden, Systemische Therapie, Verhaltenstherapie …).
Die klinisch-psychologische Behandlung ist hingegen "methodenübergreifend". Sie beginnt zwingend mit einer fundierten Diagnostik (Tests und Gespräche), aus der ein individueller Behandlungsplan erstellt wird. Sie ist oft sehr ziel- und ressourcenorientiert.
4. Einsatzgebiete
• Psychotherapie: Ideal bei chronischen Erkrankungen, tief sitzenden Persönlichkeitsstörungen, bei umfassenden Lebenskrisen und dem Wunsch nach umfassender Selbsterkenntnis.
• Klinische Psychologie: Häufig bei akuten Krisen, der Begleitung körperlicher Erkrankungen (z. B. Schmerztherapie) oder gezielten Verhaltensänderungen (z. B. Raucherentwöhnung).
5. Wichtige Gemeinsamkeiten
• Keine Medikamente: Beiden Berufsgruppen ist es untersagt, Medikamente zu verschreiben – dies bleibt Ärzt*innen vorbehalten.
• Überschneidungen: Viele Expert*innen besitzen beide Qualifikationen, sind also sowohl klinische Psycholog*innen als auch Psychotherapeut*innen. Ohne die jeweils andere Ausbildung darf man jedoch rechtlich nicht im jeweils anderen Bereich tätig sein.
• Kosten: Für beide Formen gibt es unter bestimmten Bedingungen einen Kassenzuschuss (Teilrefundierung). Für Psychotherapie gibt es begrenzte Plätze zur vollen Kostenübernahme durch die Krankenkasse, seit 2026 sind auch für die klinisch-psychologische Behandlung (KliPsy) begrenzte Plätze zur vollen Kostenübernahme auf Krankenschein verfügbar.
Fazit: Während die Psychotherapie oft tiefer greift und einer spezifischen Therapieschule folgt, arbeitet die klinisch-psychologische Behandlung eher lösungsorientiert und diagnostisch fundiert. Bei den Arbeitsweisen und Einsatzgebieten gibt Unterschiede, aber auch fließende Übergänge. Beiden gemeinsam ist, dass es sich um umfangreiche und qualifizierte Ausbildungen handelt.